madmuelli

Friday, January 13, 2006

Boas und Nachfolger:

1. Leben und Werk von Franz Boas
Franz Boas (1858 – 1942) wurde ursprünglich in Minden/Westfalen geboren. Zu Beginn seiner Ausbildung studierte er Physik und Geographie in Heidelberg, Bonn und Kiel. Sein Interesse für Anthropologie entstand 1883 als er im Zug einer Studie auf die Baffin-Inseln, in den Northwest-Territories im Nordosten Kanadas, reiste. Das Ziel dieser Reise war, die physische Umwelt der Inuit (Eigenbezeichnung der „Eskimos“; „Mensch“) mit deren spezifischem Wissen über diese Umwelt zu vergleichen. Nach dieser Feldforschung änderte er seine Überzeugung, dass die Umwelt das Verhalten der Menschen beeinflusst (Umweltdeterminismus). Er vertrat dann die Auffassung, dass die „Kultur“ die treibende Kraft hinter der Wahrnehmung des Menschen seiner Umwelt ist[1]. Nachdem er für ein Jahr nach Deutschland zurückkehrte und unter Adolf Bastian (1826 – 1905) in Berlin 1886 habilitierte, beschloss er, sich endgültig in Nordamerika niederzulassen.

Das dominierende Paradigma der nordamerikanischen Anthropologie war ab dem erscheinen von Lewis Henry Morgans Buch „Ancient Society“ (1877) der Evolutionismus. Diese Lehrmeinung vertrat die Ansicht, dass jede Gesellschaft eine Entwicklung zu durchlaufen hat, die von Sammeln & Jagen über Nomadismus & Bodenbau hin zu zivilisierten Staatsgesellschaften führt. Nordamerika und Westeuropa spiegelten das zu erreichende Ideal wider. Als Gegner des Evolutionismus und Vertreter des Kulturrelativismus, betonte Boas die Vielfalt der Kulturen. Durch die Betonung der Vielfalt und Verschiedenheit der Kulturen geht die Haltung einher, dass jede Kultur nur in ihrem eigenen historischen Kontext verstanden werden kann[2]. Der Kulturrelativismus postuliert, dass alle Kulturen die gleichen Fähigkeiten besitzen, doch die jeweiligen Verhaltens- und Umgangsformen immer im Licht des dazugehörigen Sozial– und Wertesystems gesehen werden müssen[3]. Der Kulturrelativismus wendet sich gegen den Ethnozentrismus, der dem Evolutionismus inhärent ist. Ethnozentrismus, der die eigene Ethnie als Zentrum aller Dinge sieht und andere Kulturen nach dem eigenen Maßstab meist (unter-) bewertet, wurde von Boas vehement abgelehnt. Boas forderte ein ganzheitliche Betrachtung von Kulturen (Holismus). Dies bedeutet, dass sowohl religiöse, historische als auch sprachliche und künstlerische Aspekte im Forschungsansatz berücksichtigt werden müssen. Insgesamt unternahm Boas 12 Forschungsreisen, wodurch er sich auch deutlich von den damaligen „Armchair- anthropologists“ wie Lewis Henry Morgan (1818 – 1881) in den USA und Edward Burnett Tylor (1832 – 1917) in Großbritannien unterschied. Er befürwortete mit seinen Feldforschungen auch ein exaktes Sammeln von ethnographischen Daten und sprach sich gegen voreilige theoretische Generalisierung aus[4].

Obwohl Boas nie neuen Theorien entwickelte, gilt er doch als wichtige Person in der Etablierung der nordamerikanischen Anthropologie. Seit Boas gilt in der nordamerikanischen Anthropologie der „Four - Field - Approach“. Dies bedeute, im Gegensatz zur europäischen Anthropologie, dass die wissenschaftliche Disziplin in vier Subdisziplinen unterteilt wird. Dies sind die biologische (physische) Anthropologie, Kulturanthropologie, Archäologie und Linguistik[5]. Boas widmete sich neben der Linguistik auch der physischen Anthropologie. Er konnte mit seiner Arbeit auf dem Gebiet der physischen Anthropologie auch nachweisen, dass Schädelform und Köpergröße durch das soziale Milieu modifiziert werden können. Bis dahin wurden Schädelform und Körpergröße als Hauptmerkmale für rassische Klassifizierung verwendet.

Durch seine Lehrtätigkeit an der Columbia University in New York ab1899, bildete er weitere bedeutenden Anthropologen des frühen 20. Jahrhunderts aus. Unter anderem Alfred Louis Kroeber (1876 – 1960), Robert Harry Lowie (1883 – 1957), Edward Sapir (1884 – 1939), Clark Wissler (1870 – 1947), Ruth Benedict (1887 – 1948) und Margaret Mead (1901 – 1978). Weiters war Boas Begründer der American Anthropological Association und gab auch die Zeitschrift American Anthropologist heraus.

Als Vertreter eines starken Kulturrelativismus wird an Boas kritisiert, dass er oft sinnvolle Verallgemeinerungen nicht zuließ. Er selbst galt als theoriefeindlich und erst seine NachfolgerInnen konnten seine Abneigung gegenüber Theorienbildung ablegen. Seine veröffentlichten Bücher beinhalten meist spezifische Themen wie Kunst, Mythologie und Sprache. Zu seinen wichtigsten Werken zählen: The mind of primitive man (1911), Primitive art (1926), Anthropology and modern life (1928), General Anthropology (1938) und Race, language and culture (1940). Boas schrieb auch mehr als 600 Artikel, die in zwei Sammelbänden erschienen sind[6].

2. Die Folgegenerationen
Der Begriff von „Kultur“ fand in der Anthropologie nie eine eindeutige Definition. Boas selbst zog den Vergleich „Kultur“ wie Sprache zu verstehen. Das bedeutet, nur wenn man die jeweilige Sprache erlernt hat, kann man sie auch verstehen. Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn (1905 – 1960) sammelten und veröffentlichten in einem Buch mehr als einhundert verschiedene Definitionen bezüglich Kultur. Diese Definitionen stammten von Anthropologen, Philosophen und Literaturkritikern. Generell wird in der heutigen Anthropologie zwischen „Kultur im engeren Sinn“, Weltbilder von Gesellschaften und die damit verbundenen Praktiken und „Kultur im weiteren Sinn“, alle Manifestationen des Menschen, unterschieden. So unterschiedlich wie die Definition bezüglich „Kultur“ in der Anthropologie sind, so unterschiedlich sind auch die Ansätze, die die SchülerInnen von Franz Boas verfolgten. Beruhend auf Eigeninteresse behandeln die folgenden Zeilen verschiedene AnthropologenInnen, die von Boas gelehrt wurden.

2.1. Wissler, Kroeber und Kulturareale
Durch das fokussieren auf das Sammeln und Ordnen von ethnographischen Daten entstand durch Clark Wissler (Schüler der ersten Generation) der Begriff der Kulturareale[7]. Ein Kulturareal ist eine Gliederungseinheit, die einen geographischen Raum und soziale, politische und religiöse Ähnlichkeiten zusammenfasst. Seine theoretische Position vereinte sowohl den Diffusionismus (Lehre, nach der gleichartige soziokulturelle Erscheinungen in verschiedenen Kulturen einen gemeinsamen Ursprung haben und sich durch Migration und Nachahmung direkt oder indirekt verbreiten) als auch den Evolutionismus. Folgerichtig bedeutet dies, dass kulturelle Eigenschaften sich vom „Zentrum“ eines Kulturareals zu deren „Peripherie“ ausbreiten. Ein Fortschritt (Progress) im „Zentrum“ einer Kultur und eine Verbreitung zu deren „Randgebieten“. Wissler definierte daraus 15 verschiedene Kulturareale für Nord- & Südamerika. Alfred Kroeber verfeinerte Wissler´s Ansatz und schlug 7 grand areas und 48 areas bzw. sub-areas rein für Nordamerika vor[8]. Wissler ist insofern wichtig, da er anno 1909 den Begriff Ethnohistory definierte. Darunter verstand er, die Suche nach ethnologischen Informationen in historischen Dokumenten in Verbindung mit archäologischen Daten, zur Beschreibung von ethnischen Einheiten[9].

2.2. Sapir, Whorf und Linguistik
Gemäß dem „Four – Field – Approach“ beschäftigte sich die Anthropologie in Nordamerika auch mit dem Verhältnis zwischen Sprache und Individuum. Edward Sapir und sein Student Benjamin Lee Whorf (1897 – 1941) sind durch ihre Formulierung der „Linguistischen Relativitätstheorie“, zwei bekannte Schüler boas´scher Prägung. Diese Theorie, auch als „Sapir – Whorf Hypothese“ bekannt, besagt, dass die unterschiedlichen Sprachen der Welt, variierend in der jeweiligen Grammatik, die Wahrnehmung der Umwelt bestimmen. Jede Sprache prägt durch ihre Logik das Individuum, sein Denken und somit die Wirklichkeit. Sprache determiniert die Erfahrung der Welt[10].

2.3. Mead, Benedict und die Kultur-& Persönlichkeitsschule
Durch die Arbeiten von Margret Mead und Ruth Benedict entstand die culture-and-personality school. Beide standen stark unter dem Einfluss ihres Mentors Franz Boas. Zentral bei beiden ist die Auseinandersetzung zwischen Kultur und Persönlichkeit (Individuum). Obwohl schon Boas die verstärkte Hinwendung zu empirischen Feldstudien forderte, war Mead die erste Anthropologin die participant observation (teilnehmende Beobachtung) im Sinne von Bronislaw Malinowski (1884 – 1942), vor allem in Ozeanien (Bali, Samoa, New Guinea), durchführte. Mead schrieb für ein breites, auch nicht wissenschaftliches, Publikum und versuchte die eigene Gesellschaft (USA) zu reflektieren. Mead´s bekanntesten Werke sind Coming of age in Samoa (1928) und Growing up in New Guinea (1930). In diesen Arbeiten schrieb sie über Pubertät und Geschlechterrollen. Sie hinterfragte darin die damals generelle (universelle) Annahme, dass Pubertät, aufgrund von biologischen und hormonellen Gegebenheiten, eine „stürmische“ Phase von Jugendlichen ist[11]. Als Gegensatz zu ihrer Heimat zeigte sie, dass uneheliche Kinder, vorehelicher Geschlechtsverkehr und sexuelle Freizügigkeit in anderen Kulturen ,speziell in Ozeanien, keine gesellschaftlichen Tabuthemen darstellen.

Ruth Fulton Benedict studierte Literatur und Philosophie und erst um 1919 e entdeckte sie ihr Interesse an Anthropologie. Auch sie richtete ihr Interesse auf die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft. In ihrem 1934 erschienen Buch Patterns of culture versuchte sie zu zeigen, dass hinter jedem gesellschaftlichen Verhalten jeweils eigene kulturelle Verhaltensmuster (patterns), Normen und Werte, liegen. Kultur beeinflusst also das individuelle Handeln[12]. Durch den Vergleich von drei verschiedenen Gesellschaften, die Zuni in New Mexiko, die Kwakiutl auf Vancouver Island und den Dobuans in Melanesien, postulierte sie, dass das, was in der einer Gesellschaft „normal“ ist, in anderen Gesellschaften als irrsinnig gilt. So beschrieb sie die Dobuans als paranoid, da ein alltägliches Konkurrenzdenken zwischen den einzelnen Individuen stattfindet, als total konträr zu den Zunis, bei denen eine idyllischen Harmonie & Kooperation der einzelnen Menschen herrscht. In ihrem Buch The chrysanthemum and the sword (1946) wurde diese Art der Stereotypisierung weiter forciert. Dieses Werk war das Resultat einer Auftragsforschung des Office of strategic services on war information[13]. Zweck der Forschung war, nachdem Pearl Harbour bombardiert wurde, den Kriegsgegner (Japan) besser kennen zu lernen, bzw. besser zu beherrschen. Benedict und ihre „Mitarbeiter“ interviewte dafür japanische Insassen in 10 verschiedenen Haftanstalten. Diese Art von Studie wurde auch unter dem Namen „National-Charakter- Studien“ bekannt.

3. Quellenverzeichnis

[1] Alan BARNARD; History and Theory in Anthropology; Cambridge University Press 2000; S. 100;
[2] Fredrik BARTH; One Discipline, four ways: British, German, French, and American Anthropology; University of Chicago Press 2005; S. 262;
[3] http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/%7Etkirrste/kulturrelativismus.html; (07.01.2006);
[4] Walter HIRSCHBERG; Wörterbuch der Völkerkunde; Dietrich Reimer Verlag 1999; S. 54;
[5] Alan BARNARD; History and Theory in Anthropology; Cambridge University Press 2000; S. 3;
[6] Alan BARNARD; History and Theory in Anthropology; Cambridge University Press 2000; S. 102;
[7] Walter HIRSCHBERG; Wörterbuch der Völkerkunde; Dietrich Reimer Verlag 1999; S.415;
[8] Alan BARNARD; History and Theory in Anthropology; Cambridge University Press 2000; S. 56/57;
[9] Karl R. WERNHART/Werner ZIPS; Ethnohistorie. Rekonstruktion und Kulturkritik. Eine Einführung; Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft m. b. H. 2001; S. 13;
[10] Fredrik BARTH; One Discipline, four ways: British, German, French, and American Anthropology; University of Chicago Press 2005; S. 267;
[11] Fredrik BARTH; One Discipline, four ways: British, German, French, and American Anthropology; University of Chicago Press 2005; S. 268;
[12] http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/%7Etkirrste/ruth_benedict.html; (07.01.2006);
[13] Fredrik BARTH; One Discipline, four ways: British, German, French, and American Anthropology; University of Chicago Press 2005; S. 273;

Friday, November 25, 2005

Essay Durkheim

Emile Durkheim

Um 1920 etablierten sich in Europa und Amerika jeweils zwei verschiedene Lehrmeinungen innerhalb der Kultur- und Sozialanthropologie. In Nordamerika entstand der Kulturrelativismus, dessen Hauptvertreter Franz Boas war. Boas vertrat die Ansicht, dass kulturelle Phänomene nur in ihrem eigenen Kontext verstanden, beurteilt und bewertet werden können. Auf europäischem Boden fanden die Ideen des französischen Soziologen und Philosoph Emile Durkheim sowohl im französischen Strukturalismus als auch des britischen Funktionalismus Verwendung.

Emile Durkheim wurde 1858 in Frankreich geboren. Er entstammte einer jüdischen Familie, aus der mehrere Rabbiner hervorgingen. Nach seiner Ausbildung als Philosoph übte er seine erste Lehrtätigkeit in Bordeaux von 1887 bis 1902 aus. Ein Jahr später wechselte er nach Paris und lehrte dort bis er 1917 einem Schlaganfall erlag. Zu seinen Schüler zählte unter anderem sein Neffe Marcel Mauss, Lucien Levy-Bruhl, Robert Hertz und Henri Hubert. Marcel Mauss, der Sohn seiner älteren Schwester, stand ihm familiär und wissenschaftlich sehr nahe. Durkheim wollte mit seiner gesamten Arbeit, den Zusammenhang und Zusammenhalt in Gesellschaften untersuchen. Er wollte wissen, was moderne Gesellschaften charakterisiert und wie sie sich von anderen Gesellschaften unterscheiden. Emile Durkheim ist durch seine Überlegungen und Ideen ausschlaggebend für die Entwicklung des Strukturfunktionalismus (Alfred Reginald Radcliffe-Brown) und des Strukturalismus (Mauss / Claude Levy-Strauss). Die ersten Publikationen von Durkheim waren noch mehr soziologisch als anthropologisch orientiert. Frühe Werke sind unter anderem „Über die Teilung der sozialen Arbeit“ (1883), „Die Regeln der soziologischen Methode“ (1895) und „Der Selbstmord“ (1884). Wesentlich später erschienen „Primitive classification“ (1903) und „The Elementary Forms of the Religios life“ (1912).

Durkheim führte die soziologische Tradition die von Auguste Comte begründet wurde fort. Seit Comte untersucht die Soziologie die Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Gesellschaft. Die Soziologie vertrat damals die Meinung, dass „…society is systematically structured, and that its structures are the proper study of the discipline...”(Barnard 2003: 62) Weiters vertrat die Soziologie die Ansicht, dass „...its object of study may be likened to a biological organism, made up of functioning systems”(Barnard 2003: 62). Diese Meinung und Ansicht die auch Durkheim vertrat, wurden von Alfred Reginald Radcliffe-Brown in seiner Auseinandersetzung mit Struktur und Gesellschaft berücksichtigt. Radcliffe-Brown verwendete die „organische Analogie“ um seine Überlegungen zu erklären. Die „organische Analogie“ besagt, dass eine Gesellschaft wie ein gesunder Organismus funktioniert. Der Organismus besteht aus Subsystemen. Die Subsysteme des Organismus wie Reproduktionssystem, Kreislaufsystem, Verdauungssystem und Nervensystem müssen ihre Aufgabe erfüllen um das funktionieren und überleben des Organismus zu gewährleisten. Die Gesellschaft besteht, analog zum Organismus, aus verschiedenen Subsystemen wie Kinship, Religion, Wirtschaft und Politik. Der Zusammenhang dieser Subsysteme formte die Gesellschaft (vgl. Barnard 2003: 62). Die Übernahme dieser theoretischen Sicht von Radcliffe-Brown kann als ein großer Verdienst von Durkheim gesehen werden.

Durkheim vermutete, dass der Wandel in Gesellschaften ein Zusammenspiel von anwachsender Bevölkerung und zunehmender Arbeitsteilung ist. Die steigende Zahl der Bevölkerung steuert die Organisation von Arbeit insofern, dass sie zu einer zutiefst komplexen Arbeitsteilung führt. Es findet eine Ausdifferenzierung der Gesellschaft in Berufsgruppen statt. Jeder für sich stellt nun einen Spezialist dar. In diesen vielfältig gegliederten Gesellschaften kann das Individuum ohne Andere nicht existieren. Durch dies Hervorhebung des Individuum besteht in diesen Gesellschaften kaum Bezug zu einem kollektiven Bewusstsein. Religion, das zu einem ausgeprägten Kollektivbewusstsein in archaischen Gesellschaften beiträgt, ist in diesen ausdifferenzierten Gesellschaften nur noch Privatsache. Es besteht eine Gesellschaft mit organischer Solidarität, wie sie von westlichen Industriestaaten repräsentiert wird. Archaische Gesellschaften spiegelten das Gegenteil wider. In diesen Gesellschaften herrscht eine überschaubare Arbeitsteilung. Töpferei, Bodenbau, Priester und Viehzüchter. Sie sind durch religiöse Einheit und dem Fehlen einer Klassenhierarchie gekennzeichnet. Gemeinsamer religiöser Glaube und religiöse Praktiken geben diesen Gesellschaften soziale Werte und Normen. Religion dient hier als Faktor der das Kollektivbewusstsein einer Gesellschaft festigt (vgl. Barth 2005: 178/179).

Durkheim versuchte auch am Beispiel von Selbstmord zu zeigen, dass offensichtlich individualpsychologische Taten eine soziale Komponente haben. Mittels Archivdaten die sein Neffe Mauss aufarbeitete, zeigten sie wie die Selbstmordraten in verschieden gesellschaftlichen Bereichen variieren. Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten, Verheirateten und Ledigen, Jungen und Alten wurden aufgezeigt. Ferner zeigten sie, dass in verschieden Gesellschaften diese individuelle Tat unterschiedlich interpretiert wird (vgl. Barnard 2003: 64/65). In Teilen Europas wird die Tat als Sünde gegen die Gesellschaft aufgefasst. Die Familie des Toten wird gemieden und der Tote wird nicht auf dem Friedhof bestattet. In Teilen Ozeaniens wird die Tat anders aufgefasst und bringt sogar Prestige für den Toten, weil er damit sein soziales Missfallen anderen gegenüber zum Ausdruck bringt.

Marcel Mauss, einer seiner Schüler, verwendete in seinen eigenen Arbeiten die gleiche Methode und schrieb über ähnlich Themen. In einem Essay über den Austausch von Geschenken, argumentierte Mauss, dass ein Geschenk nie absolut frei von Erwartungen des Schenkers gegenüber dem Beschenkten ist. Erwartungen können entweder in direkter Form, ein materielles Gegengeschenk, oder indirekt, durch die Anerkennung der sozialen Bande zwischen Schenkendem und Beschenktem, erwidert werden. Dieses soziale Phänomen konnte Mauss in den verschiedensten Gesellschaften weltweit nachweisen. Er fand dieses System in Gesellschaften auf Polynesien und Melanesien oder in Hindukasten in Indien. Mauss lehrte wie Durkheim in Paris. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg war es Mauss der eine neue engagierte Generation an französischen Anthropologen ausbildete. Unter ihnen war Claude Levy-Strauss, der als Begründer des französischen Strukturalismus gilt.

Emile Durkheim ist für die Kultur- und Sozialanthropologie eine wichtige Persönlichkeit. Er vollzog den Bruch mit evolutionistischem Gedankengut. Seine Überlegungen über den Zusammenhalt in Gesellschaften, mit Arbeitsteilung und gesellschaftlicher Strukturierung, Religion als Ausdruck eines kollektiven Bewusstsein, fanden Einfluss in den Strukturfunktionalismus und den Strukturalismus. Auch das Mitdenken der eigenen Gesellschaft nicht zu vernachlässigen, wenn über Andere geschrieben wird, ist von Durkheim bewusst praktiziert worden. Durkheim wird als richtungsweisende Persönlichkeit in der Geschichte der Kultur- und Sozialanthropologie immer präsent sein.


Quellenverzeichnis:

- Alan BARNARD; History and Theory in Anthropology; Cambridge University Press; 2003;

- Fredrik BARTH; One Discipline, Four ways: British, German, French, and American Anthropology; University of Chicago Press; 2005;

Essay Durkheim

Emile Durkheim

Um 1920 etablierten sich in Europa und Amerika jeweils zwei verschiedene Lehrmeinungen innerhalb der Kultur- und Sozialanthropologie. In Nordamerika entstand der Kulturrelativismus, dessen Hauptvertreter Franz Boas war. Boas vertrat die Ansicht, dass kulturelle Phänomene nur in ihrem eigenen Kontext verstanden, beurteilt und bewertet werden können. Auf europäischem Boden fanden die Ideen des französischen Soziologen und Philosoph Emile Durkheim sowohl im französischen Strukturalismus als auch des britischen Funktionalismus Verwendung.

Emile Durkheim wurde 1858 in Frankreich geboren. Er entstammte einer jüdischen Familie, aus der mehrere Rabbiner hervorgingen. Nach seiner Ausbildung als Philosoph übte er seine erste Lehrtätigkeit in Bordeaux von 1887 bis 1902 aus. Ein Jahr später wechselte er nach Paris und lehrte dort bis er 1917 einem Schlaganfall erlag. Zu seinen Schüler zählte unter anderem sein Neffe Marcel Mauss, Lucien Levy-Bruhl, Robert Hertz und Henri Hubert. Marcel Mauss, der Sohn seiner älteren Schwester, stand ihm familiär und wissenschaftlich sehr nahe. Durkheim wollte mit seiner gesamten Arbeit, den Zusammenhang und Zusammenhalt in Gesellschaften untersuchen. Er wollte wissen, was moderne Gesellschaften charakterisiert und wie sie sich von anderen Gesellschaften unterscheiden. Emile Durkheim ist durch seine Überlegungen und Ideen ausschlaggebend für die Entwicklung des Strukturfunktionalismus (Alfred Reginald Radcliffe-Brown) und des Strukturalismus (Mauss / Claude Levy-Strauss). Die ersten Publikationen von Durkheim waren noch mehr soziologisch als anthropologisch orientiert. Frühe Werke sind unter anderem „Über die Teilung der sozialen Arbeit“ (1883), „Die Regeln der soziologischen Methode“ (1895) und „Der Selbstmord“ (1884). Wesentlich später erschienen „Primitive classification“ (1903) und „The Elementary Forms of the Religios life“ (1912).

Durkheim führte die soziologische Tradition die von Auguste Comte begründet wurde fort. Seit Comte untersucht die Soziologie die Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Gesellschaft. Die Soziologie vertrat damals die Meinung, dass „…society is systematically structured, and that its structures are the proper study of the discipline...”(Barnard 2003: 62) Weiters vertrat die Soziologie die Ansicht, dass „...its object of study may be likened to a biological organism, made up of functioning systems”(Barnard 2003: 62). Diese Meinung und Ansicht die auch Durkheim vertrat, wurden von Alfred Reginald Radcliffe-Brown in seiner Auseinandersetzung mit Struktur und Gesellschaft berücksichtigt. Radcliffe-Brown verwendete die „organische Analogie“ um seine Überlegungen zu erklären. Die „organische Analogie“ besagt, dass eine Gesellschaft wie ein gesunder Organismus funktioniert. Der Organismus besteht aus Subsystemen. Die Subsysteme des Organismus wie Reproduktionssystem, Kreislaufsystem, Verdauungssystem und Nervensystem müssen ihre Aufgabe erfüllen um das funktionieren und überleben des Organismus zu gewährleisten. Die Gesellschaft besteht, analog zum Organismus, aus verschiedenen Subsystemen wie Kinship, Religion, Wirtschaft und Politik. Der Zusammenhang dieser Subsysteme formte die Gesellschaft (vgl. Barnard 2003: 62). Die Übernahme dieser theoretischen Sicht von Radcliffe-Brown kann als ein großer Verdienst von Durkheim gesehen werden.

Durkheim vermutete, dass der Wandel in Gesellschaften ein Zusammenspiel von anwachsender Bevölkerung und zunehmender Arbeitsteilung ist. Die steigende Zahl der Bevölkerung steuert die Organisation von Arbeit insofern, dass sie zu einer zutiefst komplexen Arbeitsteilung führt. Es findet eine Ausdifferenzierung der Gesellschaft in Berufsgruppen statt. Jeder für sich stellt nun einen Spezialist dar. In diesen vielfältig gegliederten Gesellschaften kann das Individuum ohne Andere nicht existieren. Durch dies Hervorhebung des Individuum besteht in diesen Gesellschaften kaum Bezug zu einem kollektiven Bewusstsein. Religion, das zu einem ausgeprägten Kollektivbewusstsein in archaischen Gesellschaften beiträgt, ist in diesen ausdifferenzierten Gesellschaften nur noch Privatsache. Es besteht eine Gesellschaft mit organischer Solidarität, wie sie von westlichen Industriestaaten repräsentiert wird. Archaische Gesellschaften spiegelten das Gegenteil wider. In diesen Gesellschaften herrscht eine überschaubare Arbeitsteilung. Töpferei, Bodenbau, Priester und Viehzüchter. Sie sind durch religiöse Einheit und dem Fehlen einer Klassenhierarchie gekennzeichnet. Gemeinsamer religiöser Glaube und religiöse Praktiken geben diesen Gesellschaften soziale Werte und Normen. Religion dient hier als Faktor der das Kollektivbewusstsein einer Gesellschaft festigt (vgl. Barth 2005: 178/179).

Durkheim versuchte auch am Beispiel von Selbstmord zu zeigen, dass offensichtlich individualpsychologische Taten eine soziale Komponente haben. Mittels Archivdaten die sein Neffe Mauss aufarbeitete, zeigten sie wie die Selbstmordraten in verschieden gesellschaftlichen Bereichen variieren. Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten, Verheirateten und Ledigen, Jungen und Alten wurden aufgezeigt. Ferner zeigten sie, dass in verschieden Gesellschaften diese individuelle Tat unterschiedlich interpretiert wird (vgl. Barnard 2003: 64/65). In Teilen Europas wird die Tat als Sünde gegen die Gesellschaft aufgefasst. Die Familie des Toten wird gemieden und der Tote wird nicht auf dem Friedhof bestattet. In Teilen Ozeaniens wird die Tat anders aufgefasst und bringt sogar Prestige für den Toten, weil er damit sein soziales Missfallen anderen gegenüber zum Ausdruck bringt.

Marcel Mauss, einer seiner Schüler, verwendete in seinen eigenen Arbeiten die gleiche Methode und schrieb über ähnlich Themen. In einem Essay über den Austausch von Geschenken, argumentierte Mauss, dass ein Geschenk nie absolut frei von Erwartungen des Schenkers gegenüber dem Beschenkten ist. Erwartungen können entweder in direkter Form, ein materielles Gegengeschenk, oder indirekt, durch die Anerkennung der sozialen Bande zwischen Schenkendem und Beschenktem, erwidert werden. Dieses soziale Phänomen konnte Mauss in den verschiedensten Gesellschaften weltweit nachweisen. Er fand dieses System in Gesellschaften auf Polynesien und Melanesien oder in Hindukasten in Indien. Mauss lehrte wie Durkheim in Paris. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg war es Mauss der eine neue engagierte Generation an französischen Anthropologen ausbildete. Unter ihnen war Claude Levy-Strauss, der als Begründer des französischen Strukturalismus gilt.

Emile Durkheim ist für die Kultur- und Sozialanthropologie eine wichtige Persönlichkeit. Er vollzog den Bruch mit evolutionistischem Gedankengut. Seine Überlegungen über den Zusammenhalt in Gesellschaften, mit Arbeitsteilung und gesellschaftlicher Strukturierung, Religion als Ausdruck eines kollektiven Bewusstsein, fanden Einfluss in den Strukturfunktionalismus und den Strukturalismus. Auch das Mitdenken der eigenen Gesellschaft nicht zu vernachlässigen, wenn über Andere geschrieben wird, ist von Durkheim bewusst praktiziert worden. Durkheim wird als richtungsweisende Persönlichkeit in der Geschichte der Kultur- und Sozialanthropologie immer präsent sein.


Quellenverzeichnis:

- Alan BARNARD; History and Theory in Anthropology; Cambridge University Press; 2003;

- Fredrik BARTH; One Discipline, Four ways: British, German, French, and American Anthropology; University of Chicago Press; 2005;

Thursday, October 27, 2005

Test 2 / Ergo-Techno

Einführung in die Ergologie und Technologie:

Zusammenfassung einzelner Kapitel aus „Einführung in die Ergologie und Technologie; Christian Feest; Band 1“

0.1. Materielle Kultur

Ergologie: (Lehre der) gegenständliche Produkte aus Menschenhand
Technologie: (Lehre ) für eine Anwendung (Produkt) angewandter Prozess
Artefakt: Produkt menschlicher Tätigkeit; Artefakte führen nach deren Fertigung ein Eigenleben; der Transfer von Produkten erfolgt leichter, als der von Ideen (Beweis durch das Studium des Kulturkontaktes); Herstellung und Verwendung von Artefakten ist keineswegs eine menschliche Eigenheit; z.B. der Gebrauch von abgebrochenen Kaktusstacheln zum Aufspießen von Insekten durch eine Finkenart auf den Galapagosinseln; Þ dies ist eine angeborene Spezifika der Finkenart und kein erlerntes Verhalten;
ABER: der Gerätegebrauch von Schimpansen spiegelt individuelle Lernfähigkeit und Kreativität und auch das entstehen einer lokalen Gerätetradition wider!
Dinge, Handlungen und Wort sind kulturelle Äußerungen. Wobei Dinge sehr „beständig“ sind. Folge der relativen Beständigkeit von Artefakten ist die Möglichkeit sie vom Ursprungsort zu entfernen und sie an eine andere Stelle zu transportieren.

Dinge, Handlungen und Worte sind ja kulturelle Äußerungen. Dinge und Handlungen sind symbolfähig, d.h., dass ihnen unbeschadet der ihnen ursprünglich zugedachten Anwendung, Bedeutungen zugeschrieben werden können.


0.2. Fragestellung

Entwicklungsreihen:
- Der Kolonialoffizier A.H. Lane Fox PITT-RIVERS begann 1850 sich mit der Geschichte des Armeegewehres und seiner Entwicklung zu beschäftigen – seine Erkenntnis war, dass die beobachtbaren Entwicklungen beim Gewehr sich als Abfolge kleiner Modifikationen darstellen ließen. 1851 begann er mit dem Anlegen einer ethnographischen Sammlung – sein Ansatz fand kaum Nachahmer – einflussreicher war Lewis Henry MORGAN mit seiner Darstellung.

- “Ancient Society/1877” von MORGAN. Darin wurde zur Unterscheidung der drei Entwicklungsstadien menschlicher Kultur (Wildheit, Barbarei und Zivilisation) neben gesellschaftlichen Faktoren, auch Merkmale der materiellen Kultur herangezogen;
+ Unterste Stufe der Wildheit – Kenntnis der Feuererzeugung
+ Mittlere Stufe der Wildheit – Erfindung von Pfeil und Bogen
+ Übergang zur Barbarei durch Auftreten von Keramiken

Otis T. MASON:
Um 1894 am U.S. National Museum in Washington tätig – vom 19. zum 20. Jh. trug die Arbeit in den Museen zur Professionalisierung der Ethnologie bei – MASON´s Vorschlag: „Kulturen eines Kontinentes (hier Nordamerika) nach Kulturräumen (culture areas) zu klassifizieren!“ – theoretische Untermauerung dieses Konzeptes erfolgte später durch Clark WISSLER am American Museum of Natural History.

Adolf BASTIAN:
War Gründungsdirektor des Museums für Völkerkunde in Berlin – Elementar- u. Völkergedanke – Friedrich RATZEL – erachtete die Ähnlichkeiten zwischen westafrikanischen & melanesischen Bogen als Beweis für eine Zusammengehörigkeit der weit von einander entfernten Kulturen; RATZEL´s Vergleich materieller Kulturelemente wurde wegleitend für die Entwicklung der „kulturhistorischen“ Kulturkreislehre durch Leo FROBENIUS, Fritz GRAEBNER und Pater W. SCHMIDT!

Þ durch die teilnehmende Beobachtung im Rahmen der Feldforschung geriet die Stubengelehrtheit dieser Museumsethnologen und ihre wenig überzeugenden Geschichtsspekulationen ins Abseits – die FF ergab eine komplexere ethnographische Wirklichkeit – die folgende Forschergeneration wuchs im Umfeld der Universitäten heran.

Test 2 / Ergo-Techno

Einführung in die Ergologie und Technologie:

Zusammenfassung einzelner Kapitel aus „Einführung in die Ergologie und Technologie; Christian Feest; Band 1“

0.1. Materielle Kultur

Ergologie: (Lehre der) gegenständliche Produkte aus Menschenhand
Technologie: (Lehre ) für eine Anwendung (Produkt) angewandter Prozess
Artefakt: Produkt menschlicher Tätigkeit; Artefakte führen nach deren Fertigung ein Eigenleben; der Transfer von Produkten erfolgt leichter, als der von Ideen (Beweis durch das Studium des Kulturkontaktes); Herstellung und Verwendung von Artefakten ist keineswegs eine menschliche Eigenheit; z.B. der Gebrauch von abgebrochenen Kaktusstacheln zum Aufspießen von Insekten durch eine Finkenart auf den Galapagosinseln; Þ dies ist eine angeborene Spezifika der Finkenart und kein erlerntes Verhalten;
ABER: der Gerätegebrauch von Schimpansen spiegelt individuelle Lernfähigkeit und Kreativität und auch das entstehen einer lokalen Gerätetradition wider!
Dinge, Handlungen und Wort sind kulturelle Äußerungen. Wobei Dinge sehr „beständig“ sind. Folge der relativen Beständigkeit von Artefakten ist die Möglichkeit sie vom Ursprungsort zu entfernen und sie an eine andere Stelle zu transportieren.

Dinge, Handlungen und Worte sind ja kulturelle Äußerungen. Dinge und Handlungen sind symbolfähig, d.h., dass ihnen unbeschadet der ihnen ursprünglich zugedachten Anwendung, Bedeutungen zugeschrieben werden können.


0.2. Fragestellung

Entwicklungsreihen:
- Der Kolonialoffizier A.H. Lane Fox PITT-RIVERS begann 1850 sich mit der Geschichte des Armeegewehres und seiner Entwicklung zu beschäftigen – seine Erkenntnis war, dass die beobachtbaren Entwicklungen beim Gewehr sich als Abfolge kleiner Modifikationen darstellen ließen. 1851 begann er mit dem Anlegen einer ethnographischen Sammlung – sein Ansatz fand kaum Nachahmer – einflussreicher war Lewis Henry MORGAN mit seiner Darstellung.

- “Ancient Society/1877” von MORGAN. Darin wurde zur Unterscheidung der drei Entwicklungsstadien menschlicher Kultur (Wildheit, Barbarei und Zivilisation) neben gesellschaftlichen Faktoren, auch Merkmale der materiellen Kultur herangezogen;
+ Unterste Stufe der Wildheit – Kenntnis der Feuererzeugung
+ Mittlere Stufe der Wildheit – Erfindung von Pfeil und Bogen
+ Übergang zur Barbarei durch Auftreten von Keramiken

Otis T. MASON:
Um 1894 am U.S. National Museum in Washington tätig – vom 19. zum 20. Jh. trug die Arbeit in den Museen zur Professionalisierung der Ethnologie bei – MASON´s Vorschlag: „Kulturen eines Kontinentes (hier Nordamerika) nach Kulturräumen (culture areas) zu klassifizieren!“ – theoretische Untermauerung dieses Konzeptes erfolgte später durch Clark WISSLER am American Museum of Natural History.

Adolf BASTIAN:
War Gründungsdirektor des Museums für Völkerkunde in Berlin – Elementar- u. Völkergedanke – Friedrich RATZEL – erachtete die Ähnlichkeiten zwischen westafrikanischen & melanesischen Bogen als Beweis für eine Zusammengehörigkeit der weit von einander entfernten Kulturen; RATZEL´s Vergleich materieller Kulturelemente wurde wegleitend für die Entwicklung der „kulturhistorischen“ Kulturkreislehre durch Leo FROBENIUS, Fritz GRAEBNER und Pater W. SCHMIDT!

Þ durch die teilnehmende Beobachtung im Rahmen der Feldforschung geriet die Stubengelehrtheit dieser Museumsethnologen und ihre wenig überzeugenden Geschichtsspekulationen ins Abseits – die FF ergab eine komplexere ethnographische Wirklichkeit – die folgende Forschergeneration wuchs im Umfeld der Universitäten heran.

Friday, October 21, 2005

test

dies ist ein test